Was passiert, wenn Mandanten die KI fragen
Wer einen Anwalt sucht, ist meist in einer belastenden Lage, Trennung, Kündigung, Unfall, Erbstreit. Immer mehr Menschen stellen die erste Frage nicht mehr in die Google-Suche, sondern in ein Chatfenster. Die KI antwortet mit vier bis sechs Namen, oft mit Sternebewertung, und mit Hinweisen, worauf man achten soll.
Für Kanzleien ist das Fluch und Chance zugleich. Fluch, weil die Liste kurz ist und sich von Antwort zu Antwort ändert. Chance, weil die KI sichtlich nach Vertrauenssignalen sucht, die Anwälte ohnehin haben: Kammerzugehörigkeit, Fachgebiet, Ort, Erreichbarkeit. Wer diese Fakten klar und einheitlich veröffentlicht, wird eher genannt, und richtig beschrieben.
Unsere Messung: Scheidungsanwalt in Österreich
Am 3. Oktober 2026 haben wir ChatGPT fünfmal, Gemini dreimal und den Google KI-Modus einmal gefragt: „Kannst du mir einen guten Anwalt für Scheidung in meiner Stadt empfehlen?“, und die Antworten mit Googles Kartenergebnissen verglichen. Kleine Stichprobe, ein Tag, Namen anonymisiert.
- ChatGPT nannte 11 verschiedene Kanzleien in 5 Antworten. Vier davon tauchten in mindestens 3 von 5 Antworten auf; eine stand in 3 von 5 Antworten an erster Stelle.
- Der Google KI-Modus nannte drei Kanzleien, alle drei standen auch in der ChatGPT-Liste. Bei Familien- und Einwanderungsrecht in Houston und Denver gab es zwischen beiden Systemen dagegen keine Überschneidung.
- Gemini nannte teils andere Kanzleien. Nur ein Teil überschnitt sich mit ChatGPT.
- Von den drei ersten Kanzleien in Googles Kartenergebnissen erschien nur eine bei ChatGPT. Gut in Google Maps zu stehen heißt also nicht automatisch, in der KI-Antwort zu stehen.
- ChatGPT suchte gezielt nach der Rechtsanwaltskammer. Die Suchanfragen, die ChatGPT im Hintergrund stellte, enthielten das Wort „Rechtsanwaltskammer“, die KI prüft also selbst, ob jemand zugelassen ist.
Die Bewertungsangaben auf den ChatGPT-Karten stimmten mit den Google-Unternehmensprofilen der Kanzleien überein. In Österreich wie in Deutschland und der Schweiz gilt: Die Karte, die ein Mandant in ChatGPT sieht, ist Ihr Google-Profil.
Der saubere Fall: Kanzlei B
Zu jeder Messung stellen wir auch eine Frage zu einer bestimmten Kanzlei, ob sie eine gute Wahl sei, was sie koste, wo sie sitze und wann sie erreichbar sei. Für die meistgenannte Kanzlei, hier „Kanzlei B“, waren die Antworten aller drei geprüften Systeme (ChatGPT, Google KI-Modus, Perplexity) richtig: Adresse, Telefon, Erreichbarkeit und der Stundensatz von 300 € netto.
Der Grund ist unspektakulär. Kanzlei B hatte all diese Angaben auf der eigenen Website stehen, in normalem Text, und sie stimmten mit dem Google-Profil überein. Die KI musste nichts raten.
Zum Vergleich US-Kanzleien aus derselben Messreihe: Dort nannte der Google KI-Modus einer Kanzlei zwei Telefonnummern, die weder auf ihrer Website noch in ihrem Google-Profil standen, vermutlich aus alten Verzeichniseinträgen. Bei einer anderen wurde der Stundensatz eines einzelnen Partners als Satz der ganzen Kanzlei ausgegeben. Insgesamt widersprachen sich bei 12 von 21 Betrieben, die wir einzeln geprüft haben, die eigenen Quellen; die KI übernahm dann eine der Versionen.
Das ist die wichtigste Lehre für Kanzleien: KI-Fehler entstehen selten aus dem Nichts. Meist widersprechen sich Website, Google-Profil und Verzeichnisse, und die KI wählt eine Version, die nicht Ihre aktuelle ist.
Welche Quellen die KI für Kanzleien liest
| Quelle | Land | In unserer Messung |
|---|---|---|
| Google-Unternehmensprofil | DE, AT, CH | Quelle der Bewertungen auf den ChatGPT-Karten |
| Rechtsanwaltskammer (Anwaltssuche) | AT | Zitiert; von ChatGPT gezielt gesucht |
| Herold, meinanwalt.at, spezialisierte Infoportale zum Scheidungsrecht | AT | Zitiert für Österreich |
| Websites der genannten Kanzleien | AT | Zitiert, vor allem Seiten zum Rechtsgebiet |
| anwalt.de | DE | Für Österreich nicht zitiert; für Deutschland noch nicht gemessen |
Für Deutschland erwarten wir als wichtige Quellen anwalt.de, die Anwaltssuche der Rechtsanwaltskammern und regionale Verzeichnisse wie Gelbe Seiten und Das Örtliche, gemessen haben wir das für deutsche Kanzleien noch nicht. In der Schweiz kommen local.ch und kantonale Anwaltsverbände in Frage. Im kostenlosen Check sehen Sie, welche Quellen die KI für Ihre Stadt nutzt.
Rechtsgebiet × Ort: die Kanzlei-Website
Die Suchanfragen „SEO für Anwälte“ und „Webdesign für Anwälte“ zielen meist auf mehr Mandate über die Website. Für KI-Antworten zählt dabei vor allem, ob jede Seite eine klare Frage beantwortet. Was wir empfehlen:
- Eine Seite pro Rechtsgebiet und Ort, an dem Sie tätig sind, etwa „Scheidung und Familienrecht in meiner Stadt“. Mit Ablauf, typischen Fragen, Unterlagen für das Erstgespräch.
- Erreichbarkeit, Adresse und Telefon im Seitentext, identisch mit dem Google-Profil.
- Honorar so konkret, wie Sie es verantworten können: Stundensatz, Pauschale für die Erstberatung oder zumindest die Art der Abrechnung. Wer nichts angibt, überlässt der KI das Schätzen.
- Anwältinnen und Anwälte mit Zulassung, Schwerpunkten und Sprachen. Fremdsprachige Mandanten bekommen auf ihre Sprache andere Empfehlungen; die KI nennt eher Kanzleien, die ihre Sprachen angeben.
- Lesbar ohne Skripte und für KI-Crawler nicht gesperrt.
Wie diese Arbeit im Detail aussieht, beschreibt unsere Seite zur GEO-Optimierung.
Sachlich bleiben: Berufsrecht
Anwaltliche Werbung muss sachlich über die berufliche Tätigkeit informieren, in Deutschland nach der Bundesrechtsanwaltsordnung (BRAO) und der Berufsordnung (BORA), in Österreich nach der Rechtsanwaltsordnung und den Standesregeln der Rechtsanwaltskammern. Für die KI-Sichtbarkeit ist das kein Nachteil. Superlative wie „bester Scheidungsanwalt Wiens“ helfen ohnehin nicht; die KI sucht nach überprüfbaren Fakten.
Wir schreiben deshalb keine Werbeversprechen, sondern Fakten: Rechtsgebiete, Ort, Ablauf, Erreichbarkeit, Sprachen, Honorarmodell. Texte gehen vor Veröffentlichung an Sie zur Freigabe. Wir leisten keine Rechtsberatung; ob eine Formulierung berufsrechtlich zulässig ist, entscheiden Sie bzw. klärt Ihre Kammer.
Google-Bewertungen für Kanzleien
Bewertungen sind für Kanzleien heikel: Mandanten geben ungern öffentlich zu, dass sie einen Anwalt brauchten, und eine einzelne unfaire Bewertung wiegt schwer. Zugleich sind sie die Zahl, die ChatGPT auf seiner Karte zeigt.
- Um Bewertungen bitten nach abgeschlossenen Mandaten, ohne Gegenleistung und ohne nur zufriedene Mandanten auszuwählen.
- Antworten, ohne das Mandat zu bestätigen. Eine Antwort darf keine Details aus dem Mandat preisgeben, auch nicht, dass jemand Mandant war. Ein sachlicher, allgemeiner Satz genügt.
- Unberechtigte Bewertungen beanstanden: Bewertungen von Personen, die nie Mandant waren, oder mit beleidigendem Inhalt können Sie im Unternehmensprofil als Verstoß gegen Googles Richtlinien melden. Für rechtswidrige Inhalte bietet Google ein eigenes Formular für rechtliche Beschwerden an.
„Bewertungen löschen“ verkaufen wir nicht, und gekaufte Bewertungen schon gar nicht. Wir helfen beim Dokumentieren und Melden und beim Aufbau eines regelmäßigen, echten Bewertungsflusses. Mehr dazu im Ratgeber Google-Unternehmensprofil und KI.
Was wir für Kanzleien tun
- Messen: Ihre Mandantenfragen, Rechtsgebiet und Ort, mehrfach in ChatGPT, Gemini und Google KI-Modus, berichtet als „in 2 von 5 Antworten genannt“, dazu eine Frage zu Ihrer Kanzlei. Wie wir messen.
- Angleichen: Google-Profil, Kammereintrag, Verzeichnisse und Website mit denselben Angaben.
- Seiten schreiben: eine sachliche Seite pro Rechtsgebiet und Ort, zur Freigabe durch Sie.
- Jeden Monat gleich messen.
Tiefen-Analyse ab 890 €, Umsetzung 2.400–3.200 € bzw. 4.400–6.500 € für mehrere Rechtsgebiete oder Standorte, laufende Betreuung ab 590 € im Monat, reine Messung ab 149 € im Monat, netto zzgl. USt. Monatlich kündbar, keine Mindestlaufzeit, alle Zugänge auf Ihren Namen. Wir rufen nicht ungefragt an. Alle Preise
Häufige Fragen
Wie wird meine Kanzlei in ChatGPT empfohlen?
Mit klaren, nachprüfbaren Angaben zu Rechtsgebiet und Ort: eine Seite pro Rechtsgebiet, Adresse, Telefon, Erreichbarkeit und, wenn Sie möchten, Honorarrahmen auf der eigenen Website, dieselben Angaben im Google-Unternehmensprofil und in den Verzeichnissen. In unserer Messung nannten alle Systeme genau die Fakten korrekt, die so veröffentlicht waren. Garantieren kann eine Nennung niemand.
Was unterscheidet SEO für Anwälte von KI-Sichtbarkeit?
Die Grundlagen sind gleich: Google-Profil, Bewertungen, Verzeichnisse, gute Seiten pro Rechtsgebiet. Anders ist die Messung, dieselbe Mandantenfrage mehrfach in ChatGPT, Gemini und Google KI-Modus, und die Bedeutung von Kammer- und Anwaltsverzeichnissen, die ChatGPT gezielt sucht.
Kann ich negative Google-Bewertungen löschen lassen?
Nicht auf Wunsch, aber auf legitimem Weg beanstanden: Bewertungen, die gegen Googles Richtlinien verstoßen (etwa von Personen, die nie Mandant waren, oder mit beleidigendem Inhalt), können Sie im Unternehmensprofil melden; bei rechtswidrigen Inhalten gibt es ein eigenes Google-Formular für rechtliche Beschwerden. Wir bieten kein „Löschen“ als Dienstleistung an, wir helfen, Fälle sauber zu dokumentieren, und sorgen für einen stetigen Strom echter Bewertungen.
Darf eine Kanzlei überhaupt so werben?
Anwaltliche Werbung muss sachlich und berufsbezogen sein. Genau darauf zielt unsere Arbeit: Fakten statt Superlative, Rechtsgebiete, Ort, Erreichbarkeit, Sprachen, Ablauf. Ob ein konkreter Text berufsrechtlich zulässig ist, beurteilen Sie bzw. Ihre Kammer; wir leisten keine Rechtsberatung.
Gilt die Messung auch für Kanzleien in Deutschland?
Das Muster vermutlich, die Quellen nicht eins zu eins. Für Österreich zitierte die KI die Rechtsanwaltskammer, Herold und österreichische Anwaltsportale; anwalt.de spielte keine Rolle. Für Deutschland erwarten wir anwalt.de und die Anwaltssuche der Kammern als Quellen, haben deutsche Kanzleien aber noch nicht gemessen. Der kostenlose Check misst Ihre Stadt.
